Otopexie-Techniken

Ohrmuschelplastik: die unterschiedlichen Techniken

Eine allgemein gültige Methode zur Ohrenkorrektur gibt es aktuell nicht. In der Literatur existieren über 100 unterschiedliche Operationstechniken, die individuelle Vor- und Nachteile aufweisen, was das Endresultat, die Komplikationsrate, die Art der Anästhesie, die Nachsorge oder die Kosten betrifft.

Grundsätzlich muss bei einer Ohrenkorrektur unterschieden werden, ob der Chirurg mit oder ohne Schnitte oder Nähte arbeitet bzw. beides kombiniert, um den Ohrknorpel in die gewünschte Form zu bringen. Bei Knorpel handelt es sich um elastisches, formbares, biegsames Gewebe, das vorwiegend aus Wasser, Fett und Glykogen besteht und den Eindruck eines Mitteldings zwischen Haut und Knochen erweckt. Bei Kleinkindern bis ca. sechs oder sieben Jahre ist dieses Stützgewebe noch sehr weich, weshalb eine Ohranlegung nach Möglichkeit zwischen dem fünften und siebten Lebensjahr durchgeführt werden sollte. Danach ist der Knorpel ausgehärtet und bleibt in seiner endgültigen Form. Für eine Ohrkorrektur muss er dann angeschliffen (geritzt) werden, um die gewünschte Formbarkeit zu erreichen.

Welche der folgenden Techniken bei Ihnen zum Einsatz kommt, ist u.a. von der Art und vom Schweregrad der Fehlbildung abhängig und wird von Patient und Chirurg gemeinsam nach einem intensiven Beratungsgespräch festgelegt.

Ein chirurgisch angelegtes Ohr soll möglichst natürlich und eben nicht operiert aussehen und sich in die Harmonie des Gesichts einfügen. Wir legen deshalb besonderes Augenmerk auf das Verhindern von Knicken und Kanten sowie auf eine gewisse Ganzheitlichkeit, was bedeutet, dass nicht nur die Mitte des Ohres, die Ohrmuschel, am Kopf anliegt, während die oberen und unteren Teile weiterhin abstehen.  


KORREKTUR VON ABSTEHENDEN OHRLÄPPCHEN

Beim Ohrläppchen handelt es sich um den unteren, fleischigen Teil des menschlichen Ohres. Stehen die Ohrläppchen durch Veranlagung in einem ungünstigen Winkel vom Rest des Ohres und vom Kopf ab, kann der ästhetische Gesamteindruck eines Gesichts beeinträchtigt werden. Bei einem kosmetischen Eingriff ist zu unterscheiden, ob die Ursache des Problems in der knorpeligen Helix (die wulstartige Umrandung der Ohrmuschel) oder ausschließlich in den Weichteilen zu finden ist. Im ersten Fall wird nach einem kleinen Hautschnitt am hinteren Ohr der untere Helix-Knorpel freigelegt, überschüssiger Knorpel entfernt und die Haut anschließend so verschoben, dass das Ohrläppchen in einer Ebene mit der Ohrmuschel liegt. 

Im zweiten Fall wird eine sogenannte „Schöpfer-Naht“ (Zügelnaht) gesetzt, die auch bei einem Wimpernscheuern des Oberlides zum Einsatz kommt. Nach einer gewissen Zeit verbleibt das Ohrläppchen in der „gezügelten“ Stellung, und die Naht kann entfernt werden. 


RITZTECHNIK (BIOMECHANISCHE KNORPELUMFORMUNG)

Bei einer biomechanischen Knorpelumformung kommen zwar auch Nähte zum Einsatz, sie dienen jedoch nur der vorübergehenden Fixierung und Wundheilung.

Nach einem Schnitt am hinteren Ohr wird der Knorpel freigelegt und an seiner Vorderseite mit einer feinen Nadel großzügig eingeritzt: das sogenannte Schleifen. Die so geschwächte Knorpelstruktur biegt sich nun eigenständig in die entgegengesetzte Richtung, also hin zum Kopf. Sie kennen das Prinzip vielleicht vom Baumfällen, wenn der Baum in die Richtung weg vom Fällschnitt fällt. Durch drei exakt bestimmte Messpunkte werden die Richtwerte für das andere Ohr ermittelt, sodass beide Ohren nach der Operation im gleichen Winkel am Kopf anliegen. Bei Kleinkindern und Erwachsenen mit der Veranlagung zu weichem Knorpel kann auf das Ritzen verzichtet werden. Nähte fixieren das Ohr in seiner Stellung und helfen bei der Wundheilung bzw. können bei der vom schwedischen Arzt Stenström entwickelten Methode sogar ganz vermieden werden, wenn die Schnitte auf beiden Seiten des Ohres erfolgen. Abschließend werden formende Salbenverbände um die Ohren gelegt.

Vorteile: Da sich der Knorpel des Ohres eigenständig, ohne Fadenzug an den Kopf legt, ist mit einem sehr natürlichen Ergebnis zu rechnen. Zudem sind die Risiken einer Heilungsstörung oder unschönen Knickbildung geringer als bei Schnitt- oder Nahttechniken.

Nachteile: Eben weil Patient und Chirurg zum Teil neben der sorgfältig ausgeführten Operationstechnik auf das gewünschte Verhalten des Ohrknorpels angewiesen sind, auf diesen aber natürliche Rückstellungskräfte einwirken, ist das Ergebnis der Ritztechnik weniger exakt vorhersagbar als bei den beiden anderen Methoden. Evtl. wird auch am vorderen Ohr geschnitten, sodass dort eine – sehr kleine – Narbe zurückbleibt. Es können irreversible Schäden zurückbleiben. Ein stationärer Aufenthalt ist zu empfehlen.

NAHTTECHNIK

Aufgrund des immer besseren Fadenmaterials und der sehr guten Steuerbarkeit des Fadens mit hervorragenden Knoteneigenschaften wird die Nahttechnik heutzutage präferiert. Auch bei der Nahttechnik erfolgt der Schnitt hinter dem Ohr. Die Anthelix (die innere Hauptfalte der Ohrmuschel) wird freigelegt und evtl. überschüssiger Knorpel entfernt. Daraufhin wird ein spezieller Faden aus Hightech-Material (z.B. Goretex) durch den Knorpel gezogen, die zu schwach ausgeprägte Anthelix (siehe auch unsere Beispielbilder) nachgebildet und das Ohr in die gewünschte Position gebracht. Anschließend wird der Faden gut verknotet. Je nach Stärke des Fadenzugs tritt die Falte stärker oder schwächer hervor. Der weiße Faden verläuft unter der Haut, ist extrem dünn, wird vom Körper sehr gut vertragen und ist nach der OP so gut wie unsichtbar.

Vorteil: Da auf chondroplastische (knorpelumformende) Eingriffe verzichtet wird und das Ritzen entfällt, können kleine Deformationen und eine evtl. Knickbildung des Knorpels nahezu ausgeschlossen werden, sodass mögliche Komplikationen reversibel sind. Es bleibt nur eine Schnittnarbe hinter dem Ohr.

Nachteile: Trotz aller Hightech kann ein Reißen oder Abstoßen des Fadens nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden. Die Operation müsste in diesem Fall wiederholt werden. Ist die Spannung, unter der das Ohr durch den Fadenzug steht, zu hoch, muss evtl. doch etwas Knorpel abgeschliffen werden.


SCHNITT-NAHT-TECHNIK NACH CONVERSE

Wie bei der Nahttechnik erfolgt zunächst ein Hautschnitt an der hinteren Ohrmuschel. Zusätzlich setzt die Chirurgin kleine Schnitte in den freigelegten Knorpel, wodurch er formbarer wird. Die Schnitte sorgen außerdem dafür, dass sich die Spannung durch den später eingezogenen Faden verringert. Ansonsten folgt die Methode der Nahttechnik.

Formende und wundheilende Verbände sowie ein sorgfältiger Umgang mit den operierten Ohren und evtl. auch ein stationärer Aufenthalt sind bei allen Methoden unbedingt zu empfehlen oder notwendig.     

Vorteile: Der Eingriff ist leichter durchzuführen und bietet durch die zusätzlichen Knorpelschnitte exaktere Möglichkeiten der Formung als die Nahttechnik. Wie bei der Nahttechnik wird nur hinter dem Ohr geschnitten, sodass auf seiner vorderen Seite keine Narbe zurückbleibt.

Nachteile: Auch bei der Converse-Methode kann der Faden reißen oder abgestoßen werden. Durch die kleinen Schnitte kann es zu bleibenden Einkerbungen oder schlecht abheilenden Wunden mit Keloid-Bildung kommen.


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